DANKE Gerd Kruse für 55 Jahre Dienst in der Paulusgemeinde Melle!

Nachricht 05. Dezember 2020
Gerd Kruse dirigiert
Gerd Kruse dirigiert

DANKE Lieber Herr Kruse, das ist einmalig und aller Dank ist zu klein für Ihre Treue und Ihren so großen Einsatz im kirchenmusikalischen Bereich und in der Wortverkündigung als Lektor in der ev.-luth. Paulusgemeinde Melle.
Sie haben fast jeden Sonntag 55 Jahre lang die Orgel gespielt, jahrzehntelang den Kirchen- und Posaunenchor geleitet und sich auch darüberhinaus für die Paulusgemeinde Melle und für Ihre ev.-luth. Kirche, die Ihnen so sehr am Herzen liegt, engagiert.
Seit 11 Jahren haben wir nun gemeinsam den Gottesdienst gestaltet, Texte und Musik abgestimmt und sehr gut zusammengearbeitet. Bei Taufen, Trauungen und dann auch bei Beerdigungen waren Sie immer bereit die Orgel zu spielen und fragten nie nach der Zeit, sondern waren immer da, wenn Sie gebraucht wurden.Nicht nur in der Musik, sondern auch als
Lektor haben Sie sich eingebracht und die gute Botschaft Gottes aus Ihrem festen Glauben heraus verkündigt und waren so durch Musik und Wort für andere aus der Paulusgemeinde in Ihrem Dienst als Kirchenmusiker und Lektor stets eine Stütze.

Im Namen des Kirchenvorstandes und der ganzen ev.-luth. Paulusgemeinde Melle und der ev-.luth. Landeskirche Hannovers sage ich Ihnen von ganzem Herzen DANKE!
Ihr Pastor Bernhard Julius

Text über Gerd Kruse aus dem Meller Geschichtenbuch von Annemarie von Forstner

Gerd

Hoch über den Dächern der Stadt gibt es einen Raum, der so verwunschen, merkwürdig und zugleich wunderschön urig ist, dass man ihn sich kaum vorstellen kann.

Als ich das erste Mal mitten im geschäftigen Trubel der Stadt die steilen Stufen zu dem holzgetäfelten Raum emporstiefelte, den besonderen Geruch wahrnahm, die Atmosphäre in mich aufsog, war mir, als beträte ich eine andere Welt. Hier hat sich Gerd sein Reich geschaffen. Es ist das Reich eines außergewöhnlichen Mannes.

Gerd ist eher klein und unscheinbar. Doch das täuscht. Er hat eine ganz besondere Macht, die sonst kaum ein Meller hat. Wenn er möchte, kann er sich binnen weniger Sekunden in der ganzen Stadt Gehör verschaffen. Denn Gerd ist der Carillonist der Stadt.

Seit über fünfzig Jahren schenkt er den Meller Bürgern mit seiner Musik kleine Auszeiten, unerwartete Momente der Freude, Fluchtpunkte aus dem Alltag. Und dieser Raum oben im Rathaus, nur wenige Höhenmeter entfernt vom Trubel des Wochenmarktes, von den gehetzten Bürgern, die ihre Einkäufe erledigen, von den plaudernden Menschen, die auf der Straße ein Schwätzchen halten,ist Gerds zweites Zuhause.

Überall in diesem Raum, der Schaltzentrale der Musik, sind, sorgfältig drapiert, wunderschöne, kleine und große, moderne oder klassische Glocken zu finden. Die Glocken sind aus Blech, Kupfer und Ton.Es gibt Glocken, die wunderschön klingen und Glocken, denen man keinen Ton entlocken kann. Und ganz in der Mitte befindet sich das eigentliche, nur wenigen Mellern bekannte, Herzstück der Stadt: das Carillon.

Das Carillon und Gerd gehören für mich zu Melle wie der Fisch zu Schleswig-Holstein, das Brandenburger Tor zu Berlin oder das Hofbräuhaus zu München. Weder München noch Berlin noch eine andere der bekannten und unter Studenten wie mir so beliebten Großstädte können sich mit etwas dermaßen Schönem schmücken. Nein, ein Carillon, das haben nur Melle und einige, wenige andere Städtchen in Deutschland.

Es ist ein Erlebnis, dieses Instrument anzuschauen, es in der besonderen Atmosphäre dieses Raums erleben zu können. Überall Stille. Alle Laute von außen werden von dem alten, schweren Holz geschluckt. Dann schaltet sich das Carillon automatisch ein und auf einmal ist der ganze Raum von Musik erfüllt. Von wunderschönen Tönen, die aufeinander folgen, gleichzeitig erklingen oder sanft ineinander übergehen. Man kann gar nicht anders, als dieser Musik hingerissen zu lauschen und das sich scheinbar selbstständig bewegende, mithilfe komplizierter Technik in Gang gesetzte Carillon wie hypnotisiert anzuschauen, in dem Klang der Musik aufzugehen, in die Musik einzutauchen.

Plötzlich verstummt die Musik, das Carillon hat sich wieder abgeschaltet. Stumm stehe ich noch eine Zeitlang da. Sekunden? Minuten? Ich kann es nicht sagen und lasse die Musik in mir nachklingen.

Langsam kehre ich in die Realität zurück und sehe Gerd mit einem gutmütigen, friedvollen, weisen Lächeln auf den Lippen neben mir stehen. Er wird an diesem Tag noch selbst spielen. Vielleicht im Raum nebenan auf dem Übungscarillon,einem zweiten, fast so schönem Carillon, das aber niemand außerhalb des Raumes hören kann. Vielleicht wird er sich aber auch an das "richtige"Carillon setzen und ein kleines, kostenloses Konzert für alle Bürger der Stadt Melle geben.

Langsam steige ich die Holzstufen wieder herunter. Eine Etage unter dem Raum ist der Hochzeitssaal, in dem so oft Verliebte den Bund fürs Leben schließen. Wenn die wüssten, was ihnen für ein Schatz direkt über ihren Köpfen entgeht! Die Treppe wird breiter, ausgebauter, weniger steil. Ich öffne die schwere Rathaustür und stehe unten auf dem Marktplatz. Die Menschen hasten an mir vorbei. Der Trubel der Stadt hat mich wieder eingefangen.

Da, ein Ton. Nein, mehrere! Die Musik kommt von oben. Es ist eine seltsam vertraute Musik, doch die Melodie ist mir fremd. Spielt Gerd dieses Mal etwa selber? Ich schaue nach oben, hinauf zum Glockenspiel und spüre: Gerd verabschiedet sich nochmals auf seine ganz eigene Art von mir. Mach's gut, Annemarie, bis zum nächsten Mal! Und ich möchte antworten. Er hört mich nicht. Doch ich spüre, er fühlt, was ich antworten möchte: Danke! Danke für dieses Stück Heimat. Egal, wohin das Leben mich treibt, ich weiß, ich komme wieder. Und wenn ich einst wieder die Töne des Glockenspiels höre, vielleicht erst fern, dann immer näher und lauter, werde ich aus tiefster Seele spüren: Melle, du mein wunderbares Melle, wir haben uns wieder. Und darauf freue ich mich schon.

NDR Beitrag über Gerd Kruse

Seit dem 1. Juni 1965 ist Gerd Kruse als nebenberuflicher Kirchenmusiker – zunächst im Vertretungsdienst – als Organist in der Paulusgemeinde angestellt, so wie es in dem ersten Dienstvertrag zwischen der Ev.-luth. Paulusgemeinde Melle und Gerd Kruse heißt: „Herr Gerd Kruse wird als Organist ohne Prüfung ab dem 1. Juni 1965 angestellt.“ Danach folgten weitere Dienstverträge mit erweiterten Aufgaben. Aus dieser langen Zeit Ihres Dienstes bis heute bedankt sich auch stellvertretend für so viele:

Lieber Gerd!
Seit Beginn der Paulusgemeinde im Jahr 1965 bist du in der Posaunenarbeit tätig gewesen, zunächst als Mitglied im Chor, dann als dessen Leiter. Später kam noch die Leitung des Kirchenchores hinzu. Ein deutlicher Hinweis auf deine Freude an dieser Arbeit und die Treue zur Gemeinde.
Neben der kirchenmusikalischen Arbeit lockte dich der Dienst am Wort. So war es nach erfolgreicher Ausbildung zum Lektor möglich, dass du und Jürgen Staas im Wechsel und zu meiner Entlastung einmal monatlich den Gottesdienst gestaltet habt. Ich habe dich als zuverlässigen Mitarbeiter in unserem Team erlebt. Das tat gut! Und wenn uns Hindernisse auf den Weg unserer Planungen gelegt wurden, kam dein Standardsatz: „Das krieg‘n wir schon hin!“ Und so war es.

Ich wünsche dir, lieber Gerd, für deinen Ruhestand Gottes Segen und viele liebe Menschen in deiner Nähe. DANKE!

Wolfgang Diekmann, Pastor i.E. der ev.-luth. Paulusgemeinde

Unser Chorleiter Gerd Kruse hat sich seit der Gründung des Pauluskirchenchors, den er nun auch schon vierzig Jahre leitet, zu der „tragenden Säule“ entwickelt. Anfänglich waren es nur wenige Sängerinnen und Sänger, die unter seiner Leitung auf über dreißig anwuchsen. Sein musikalischer Anspruch war es vierstimmige Chorsätze einzuüben. Durch seine große Musikalität, die er sich fast ausschließlich im Eigenstudium angeeignet hatte, war es ihm manchmal sogar möglich, einen ganzen vierstimmigen Choral an einem Übungsabend aufführungsreif einzuüben, womit er sich und den gesamten Chor begeistern konnte. Jede und jeder, der mitsingen wollte, war herzlich willkommen. Und dann wurde auch niemand für einen falschen Ton angeklagt, sondern es wurde geübt, bis wir den richtigen Klang erreichten. Damit wurde der Übungsabend für die Chormitglieder zu einem wöchentlichen Höhepunkt für Musik und für eine gute Gemeinschaft, neben den Auftritten in Gottesdiensten und bei kirchlichen Veranstaltungen.
Dein unermüdlicher Einsatz und Deine Zuverlässigkeit über Jahrzehnte hinweg haben zu einer sehr guten Chorgemeinschaft geführt. Danke!

Heiner Dörsam, Mitglied des Paulus Kirchenchores

Lieber Gerd,

bei Sängern und Bläsern kommt es schon mal vor, doch bei Chorleitern und Organisten habe ich es noch nie erlebt: 55 Jahre! Das ist wohl einmalig!
Wir beide konnten gut Hand in Hand arbeiten. bei vielen ökumenischen Stadtgottesdiensten und Chorfesten. Wenn man Dich brauchte, warst Du immer da und für alle Aufgaben und Arbeiten stets bereit. Als Organist, und dann auch als Chorleiter für den Kirchen- und Posaunenchor der Paulusgemeinde hast Du Dich jahrzehntelang mit ganzem Herzen engagiert. Die Chorsänger*innen waren von Dir immer gut vorbereitet und hatten alle ihre Noten stets parat. DANKE Seit Jahrzehnten hast Du auch regelmäßig das Glockenspiel im Rathaus gespielt, zu allen besonderen Anlässen und auch zum Nikolaus die Glocken erklingen lassen. Bei den Planungen für das neue Glockenspiel hast Du mitgearbeitet, Besichtigungsfahrten unternommen und dann den Glockenspielverein mit aus der Taufe gehoben. Du bist der aktivste und auch der einzige Glockenspieler unserer Stadt und hast Gästen aus der ganzen Welt den Schatz – das Glockenspiel – mit Stolz gezeigt. Auch dafür Dir ein ganz besonderes großes DANKE!

Andreas Opp, Kirchenkreiskantor